Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland
Landesverband Baden-Württemberg e.V.
Ortsverband Mühlacker

Ackerwildkräuter


Ackerwildkräuter wie Sommer-Adonisröschen, Kornblume oder Acker-Rittersporn begleiten seit Jahrtausenden unsere heimische Landwirtschaft. Im Raum Mühlacker waren besonders die steinigen Muschelkalkböden südlich der Enz und Ackerstandorte auf Keuperböden im Norden von artenreichen Ackerwildkrautvorkommen geprägt. Doch die Zeiten bunter Äcker ist vorbei.

Die Hälfte der in Baden-Württemberg vorkommenden Ackerwildkräuter ist mittlerweile vom Aussterben bedroht. Darunter leiden auch zahlreiche Tiere der Feldflur, die durch diese rasch fortschreitende Entwicklung ihre Nahrungsgrundlage verlieren.

Bereits seit Jahrzehnten sind auch bei uns zahlreiche Ackerwildkräuter durch den verstärkten Einsatz von Herbiziden, intensive Düngung, und effektive Saatgutreinigung massiv im Rückgang begriffen. Diese Situation hat sich in jüngster Zeit durch die veränderten Bewirtschaftungsmethoden in der Landwirtschaft dramatisch zugespitzt.

Durch das Umbrechen der Getreidefelder direkt nach der Ernte und das Abspritzen der Kartoffeläcker mit Herbiziden vor der Ernte stehen viele Ackerwildkräuter nun vor dem Aussterben.

Der BUND-Regionalverband hat daher vor fünf Jahren das Projekt "Archeäcker" gestartet. Bei intensiver Nachsuche im "Heckengäu" konnten in den letzten Jahren an einst guten Standorten nur noch kümmerliche Vorkommen bedrohter Ackerwildkrautarten festgestellt werden. Einige Ackerwildkräuter konnten leider gar nicht mehr gefunden werden.

Rundblättriges Hasenohr
Rundblättriges Hasenohr

In nur wenigen Jahren sind somit ganze Pflanzengesellschaften verschwunden oder in Auflösung begriffen, die seit Jahrtausenden die Landwirtschaft begleitet haben und ein Bestandteil unserer Kulturlandschaft (sind) waren.

Auch unser BUND-Ortsverband hat sich in den letzten Jahren mit diesem Thema intensiv befasst und in der Umgebung von Mühlacker gezielt Samen seltener Ackerwildkräuter gesammelt.

In Zusammenarbeit mit Landwirt Uli Jaggy wurde bereits 2009 bei Schönenberg ein Ackerwildkrautreservat eingerichtet. In einen Wintergersteacker wurden 22 verschiedene Ackerwildkrautarten ausgesät. Der Acker wurde ackerwildkrautfreundlich bewirtschaftet und im Jahr 2010 blühten dort neben Klatschmohn und Acker-Rittersporn auch sehr seltene Arten wie Rundblättriges Hasenohr, Ranken-Platterbse und Venuskamm.

Kräutersammler
BUND-Mitglieder beim Sammeln von Saatgut

Auch 2010 wurde in der Umgebung von Mühlacker wieder erfolgreich nach bedrohten Ackerwildkräutern gesucht. Es konnten einige stark bedrohte Arten wie Acker-Löwenmaul und Kleinfrüchtiger Leindotter entdeckt und Saatgut gewonnen werden. Eine große Überraschung war ein Acker bei Lienzingen auf dem hunderte Sommeradonisröschen gefunden werden konnten.

So war es möglich in diesem Jahr zusätzliche Arten im Schönenberger Ackerwildkrautreservat auszusäen.

Auf einem von der Stadt Mühlacker zur Verfügung gestellten Grundstück werden von uns seit diesem Jahr gezielt besonders gefährdete Arten wie Gelber Günsel, Einjähriger Ziest oder Acker-Haftdolde in Reinkultur vermehrt um Saatgut zu gewinnen.

Sommer-Adonisröschen
Sommer-Adonisröschen

Mit diesem Artenschutzprojekt hoffen wir, zumindest regional viele vom Aussterben bedrohte Ackerwildkrautarten zu erhalten. In den kommenden Jahren soll gemeinsam mit Landwirten versucht werden, weitere Ackerflächen rund um Mühlacker in eine ackerwildkrautfreundliche Bewirtschaftung zu überführen. Auch die Suche nach weiteren bedrohten Arten wie Finkensame, Kornrade oder Flammen-Adonisröschen soll fortgesetzt werden. Die Samenbank gefährdeter Ackerwildkräuter in unseren Ackerböden verarmt von Jahr zu Jahr, daher muss jetzt gehandelt werden, um deren Aussterben zu verhindern.

Weitere Bilder von Ackerwildkräutern können Sie hier sehen.